„Euer System ist so langsam“

Same procedure, every year.

Jedes Jahr wieder ist das System so langsam, „kann man gar nicht mehr arbeiten“, „bereut man es bei blau zu sein“, „bla, bla, bla“.

Aber woran liegt das denn nun?

Und wichtiger: Was kann ich tun?

 

Hochsaison – alles vergleicht

Ab Anfang November steigen stetig die Zugriffszahlen auf die Vergleichsrechner. Der Höhepunkt ist dann an den letzten beiden Novembertagen. Ab dann ebbt es ab und ab der zweiten Dezemberwoche ist der Spuk wieder vorbei; alles wieder fix. Woran das liegt? Ihr ahnt es: Die Kfz-Saison hat begonnen und alle rechnen ihre Kfz-Versicherungen durch. Die Folge: Die Server von blau direkt stehen extrem unter Last und selbst das Öffnen einer Kundenmaske dauert gefühlt eine Ewigkeit.

Wir freuen uns dann immer wieder über Eure Anrufe, die uns sagen, was wir längst wissen: Unerfreuliche Situation.

 

Warum macht Ihr die Server nicht größer?

Das ist wie mit dem Hafengeburtstag in Hamburg. Da wollen eine Million Menschen sich auf genau einem Kilometer an der Elbe versammeln. Das bedeutet: Keine Parkplätze mehr und alle Straßen dicht – zumindest in der Hauptanreise und Hauptabreisezeit. Natürlich könnte Hamburg das Problem lösen, indem es drei Wohngebiete abreißt und dafür Parkplätze baut. Die Parks drum herum würden einfach zu zwölfspurigen Autobahnen umgebaut. Das Problem lösen würdest Du damit wohl trotzdem nicht, denn in dem Moment würden einfach nur doppelt so viele Leute mit dem Auto statt mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen. Du müsstest dann die nächsten Wohngebiete abreißen. Irgendwann können 3 Millionen Menschen bequem zum Hafengeburtstag fahren, aber es gäbe kein Hamburg mehr.

So ist das auch mit der Technik. Du orientierst Dich bei der Dimensionierung an den üblichen Lasten und dann baust Du kräftig Reserven ein, damit Du auch die üblichen Rush-Hour-Zeiten überstehst. That`s it. Im Falle von Zombie-Apokalypsen, Oktoberfest oder Gewinn der Fußballweltmeisterschaft geht eben nicht alles. Weiß man vorher. Schicksal.

Ach ja: Bezahlen willst Du eine 30-fach überdimensionierte Serverlandschaft übrigens auch nicht. Mag sein, dass Du jetzt gerade gerne bereit wärest, den vierfachen Beitrag zu zahlen, wenn es dafür nur schneller liefe. Aber bist Du auch bereit dazu während der restlichen 11,5 Monate?

 

Abhängigkeit von Drittservern

Und, selbst wenn wir unsererseits alles hochdonnern würden bis wir persönlich die Rechnerleistung von Google hätten, es würde nicht einmal viel helfen. Warum?

Wenn Du eine Autoversicherung vergleichst, wird Dir ab und an auffallen, dass der Ladebalken plötzlich mal hakt. Das liegt dann daran, dass wir die Daten von einem Server eines Kfz-Versicherers abrufen und dieser nicht schnell genug – oder auch mal gar nicht – antwortet. Wir rufen bei bis zu 35 Servern Ergebnisse ab – allein im Kfz-Bereich und diese sind leider auch regelmäßig überlastet. Unser System muss sich dann die Zwischenergebnisse merken; eventuell erneut anfragen. Es kommt dann zu einem Rückstau in unser System, weil das System eines Versicherers hakt.

Schleswig-Holstein sperrt seinen Autobahnring. Die Leute weichen durch die Hamburger Innenstadt aus. Da geht dann in Hamburg nix mehr und alle sind sauer auf den Hamburger Bürgermeister. Verständlich, aber wie soll er das ändern? So ist das in einer vernetzten Welt. Ja, früher war natürlich alles besser. Da hatten wir solche Probleme nicht. Zugegeben: Da saßen wir noch mit Feuersteinen in der Höhle und haben uns die Finger wund gekloppt, statt per Knopfdruck ein bestehendes Fahrzeug gegen 128 alternative Angebote abzugleichen, aber nun ja. Schöner war es vielleicht schon irgendwie. 😉

 

Was können wir tun?

Wir beobachten das System den ganzen Tag. Werden die Lasten zu hoch, ergreifen wir Maßnahmen. In den nächsten Tagen wird unsere Buchhaltung vermutlich wieder auf Nachtschichten umstellen, um die Systeme im Tagesverkehr zu entlasten. Die IT ergreift eine Reihe von Notmaßnahmen, wann immer die Last zu hoch zu werden droht. Die Situation wird laufend überwacht.

Im Großen und Ganzen funktioniert das auch ganz gut. Im Vergleich zu den Vorjahren läuft das System trotz aller Verzögerungen recht rund.

 

Was kannst Du tun?

Möglichkeit 1: Drück noch zehnmal auf die Sendetaste wie ein ungeduldiger Psychopath, starte den Prozess damit zehnmal und verursache so gleich nochmal eine Lastexplosion auf unserem Server mit der Folge, dass dann erst einmal gar nix mehr geht. Für uns ist das nicht so das Problem, aber Du musst damit rechnen, dass Dein Herzmuskel irgendwann ein Loch irgendwo entwickelt. Unschön.

Möglichkeit 2: Hol Dir einen Kaffee oder geh mit dem Hund raus (falls Du keinen Hund hast, nimm die schöne Nachbarin mit). Wenn Du fertig bist, wird es vermutlich wieder rund laufen und Du bist entspannt.

Möglichkeit 3: Putz mal wieder die Fußleisten – ganz ehrlich, die sind schon lange nicht mehr sauber gemacht worden.

 

Zugegeben: Etwas zynisch.

Es ist aber schlicht so, dass man manches nicht ändern kann. Eisverkäufer haben das Problem an sonnigen Tagen, Restaurantbesitzer am Wochenende um 19:00 Uhr, Straßenreiniger am Tag nach Silvester. Du hast das eben Ende November. Also verliere nicht Deinen Humor. In 2 Wochen ist alles wieder bestens.

Geschäftsführer & Mitgründer von blau direkt. Buchautor des Bestsellers „Wie man perfekt Frauen aufreißt…“, welches sich speziell dem Internetmarketing für mittelständische Unternehmer widmet.

11 Kommentare

Avatar von Bernhard Fox
Bernhard Fox am 21.11.2017 um 19:39 Uhr

Bezüglich des Tipps mit der Nachbarin …. meine Frau ist in Prag dabei und wird Dich dahingehend selber zur Rede stellen. Da mag so mancher ULTRA-Lauf für dich gefühltes Honigschlecken gewesen sein 🙂 🙂

Avatar von Simone Fückel
Simone Fückel am 21.11.2017 um 21:46 Uhr

Wir verlagern die Antragstellung teilweise auch auf abends oder nachts, ggf. auf das WE, um die Server zu entlasten.
Guter Tipp, den Rechner nicht 10x neu aufzurufen, wenn er hängt. Es gibt in einer halben Stunde so viel anderes zu tun. Da können wir alle etwas beitragen, wenn wir uns daran halten.

Avatar von Jan Moudry
Jan Moudry am 22.11.2017 um 7:26 Uhr

Alles richtig. Ich gebe aber zu, zu den Meckerern zu gehören, allerdings stelle ich dabei nicht meine „Zugehörigkeit“ zu blaudirekt in Frage und drohe auch nicht mit Kündigung.
Genervt bin ich trotzdem, wenn ich wie gestern am frühen Nachmittag beim Neukunden sitze, ihm direkt etwas vorrechnen möchte und es geht fast nichts.
Ist es nicht möglich, Serverleistung monatsweise hinzu zu buchen? Das wäre für die Stoßzeiten hilfreich und Ihr würdet kein Geld aus dem Fenster werfen für eine überdimensionierte Serverlandschaft in Zeiten normaler Last.

Avatar von Oliver Pradetto
Oliver Pradetto am 22.11.2017 um 9:19 Uhr

Hallo Jan,

leider lässt sich das so nicht lösen. Wir haben Teilbereiche in denen wir jederzeit hinzubuchen können. Das wird dann auch gemacht. In diesem Fall sind aber alle Komponenten betroffen und so unglücklich miteinander verwoben, dass sich hier die Kapazitäten (noch) nicht kurzfristig erweitern lassen. Wir sind an dem Problem zwar dran, aber dazu sind mehrjährige Arbeiten nötig.

Und auch wenn mein Beitrag etwas flapsig daher kommt: Es ist nicht so, das wir das nicht ernst nehmen oder es uns nicht auch nervt. Wenn rund 150 Mitarbeiter nur mit halber Kapazität arbeiten können, ist das teuer für die Firma, erzeugt unbequeme Überstunden für die Mitarbeiter und unangenehme Verpflichtungen wie Nachtarbeit. Schön ist das alles nicht. Hilft aber einfach nix. Wir müssen da dieses und vermutlich nächstes Jahr noch ein letztes Mal durch.

Liebe Grüße
Oliver

Avatar von Marc Waldenmayr
Marc Waldenmayr am 22.11.2017 um 12:12 Uhr

Danke Oliver!
für die Erinnerung das man sich etwas entspannen sollte.

Klar ärgen wir uns, weil wir fertig werden wollen und das eine oder andere noch „schnell“ erledigen müssen.
Es geht uns allen so und euch ebenfalls.

Mich hast du ertappt, mir ist klar, dass es nicht so schnell vorangeht wie man es gerne hätte. Trotzdem ruft man an, schreibt Mails und gibt seine Fehler weiter. Nichteinmal damit sofort etwas passiert – das erwarte ich nicht.

Ich hoffe auf die Zeit.

Euch allen viel Erflog beim Schaffen und im Umgang mit der Serverauslastung.

Ich mache jetzt gleich Feierabend und werde heute Abend nochmal etwas machen…
Also bitte liebe Maklerkollegen, geht nicht alle heute abend onlime 😉

sonnige Grüße aus Schriesheim
Marc

Avatar von Oliver Gehrig
Oliver Gehrig am 23.11.2017 um 15:00 Uhr

Hallo Bernhard,
Du musst ja Deiner Frau nichts von der Umsetzung der Möglichkeit 2 erzählen, beschäftige sie doch am besten mit der Umsetzung der Möglichkeit 3 🙂
Viele Grüße aus Köln
Oliver

Avatar von Daniel Oddo
Daniel Oddo am 23.11.2017 um 15:20 Uhr

Ich verfolge die Probleme auch immer recht aufmerksam und was du sagst ist für mich auch zu 100% nachvollziehbar. Was ich mich aber dann doch frage ist, wie machen das unsere Freunde von Check24 und Konsorten? Da wird noch viel mehr gerechnet als bei den Rechnern von blau – behaupte ich jetzt einfach mal 😉

Aber ja, mittlerweile reg ich mich da auch nicht mehr auf, mache auch meine Nachtschichten um dem Kunden was zu rechnen und mache tagsüber sinnvollere Dinge als KFZ berechnen … smile

In diesem Sinne
Liebe Grüße

Avatar von Jan Moudry
Jan Moudry am 24.11.2017 um 14:14 Uhr

Also momentan rennt der Kfz-Rechner… Habt Ihr also doch Etwas verbessern können oder ist das Zufall?
Herr Oddo, ich vermute, dass Check24 deutlich mehr Geld in die IT investieren kann als blaudirekt.

Avatar von Oliver Pradetto
Oliver Pradetto am 28.11.2017 um 11:43 Uhr

Es gibt viele Gründe warum check24 weniger Probleme mit dem Traffic hat. Am wesentlichsten ist sicher die Zahl der verglichenen Tarife (ca. 40) gegenüber unserem Vergleich (ca. 290). Durch die hohe Zahl von Tarifabfragen kommen die Server der <Versicherer nicht hinterher und erzeugen einen Rückstau. Den fangen wir durch Cashing ab. Ab einer gewissen Last knickt dann auch unser System ein.

Wir hatten nun erst einmal 80 Tarife vorübergehend rausgenommen und daher läuft es jetzt besser.

Avatar von Michael Freund
Michael Freund am 28.11.2017 um 22:32 Uhr

Warum wird das MVP langsamer, wenn die Vergleichsrechner viel zu tun haben?
Warum muss die Buchhaltung Nachschichten fahren,um das zu kompensieren?
Warum beeinflussen sich Prozesse, die eigentlich nur am Rande etwas miteinander zu tun haben?

In Unkenntnis der IT Infrastruktur kann ich nur vermuten, dass der Server an der Lastgrenze arbeitet?
Dann stellt sich aber die Frage, ob man die rechenintensiven Vergleichsrechner nicht zumindest auf einen separaten Server auslagern kann? Am besten in einem Rechenzentrum das möglichst nah an einem deutschen Knotenpunkt sitzt. Dann scheiden auch begrenzte Übertagungs-Kapazitäten der Internetverbindung als Fehlerursache aus.

Avatar von Steffen Faber
Steffen Faber am 02.12.2017 um 16:17 Uhr

Eine wichtige Komponente haben wir wohl in der Jahresabschlusshektik vergessen? Den Kunden!
Der wartet dummerweise oft direkt auf ein Ergebnis, ist manchmal sogar am Telefon (!) oder gaaaanz schlimm doch echt live (!!) im Büro.
Blöderweise habe ich nicht mal EINEN Hund zum Gassi gehen, geschweige denn ZWEI um einen dem Kunden zu geben…
Aber ich kann ja solange gemeinsam mit ihm bei CHECK 24 rechnen oder auch zur nur 3 Kilometer entfernten HUK Coburg fahren. Wenn wir dann zurück sind, haben wir sicher 53% der Ergebnisse …

Nafi geht dann schon mal vor.

Beste Grüße,
Steffen

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