Wie Du aus der Rückabwicklung von Lebensversicherungen ein Geschäft machst

Wie Du aus der Rückabwicklung von Lebensversicherungen ein Geschäft machst?

Am besten gar nicht.

 

Es war einmal der Zweitmarkt

 

Als die Zinssituation noch gut war, blühte der Zweitmarkt im Bereich Lebensversicherung. Statt eine langjährige Lebensversicherung zu kündigen, empfahl man dem Kunden sie zu verkaufen. Die Logik dahinter war einfach:

Kündigt der Kunde vorzeitig, erhält er nur den Rückkaufswert, aber er verzichtet auf Überschussbeteiligungen, die zum Ende der Laufzeit zu Gunsten des Kunden abgerechnet werden. Clevere Kaufleute entdeckten, dass Sie dem Kunden die Lebensversicherung zu einem höheren Preis abkaufen konnten und durch den regulären Zins nebst der Überschussbeteiligung attraktive Renditen erwirtschaften konnten.

Das Geschäftsmodell bot eine klassische Win-/Win-/Win-/Win- Situation:

  1. Der Lebensversicherer behielt seinen Vertrag.
  2. Der Kunde erhielt mehr Geld.
  3. Der Aufkäufer eine attraktive Geldanlage.
  4. Der Vermittler des Verkaufs eine Provision.

Leider starb das Geschäftsmodell mit den sinkenden Zinsen.

 

Zweitmarkt kehrt als Zombie wieder

 

Wie immer wenn ein Markt entstanden ist, widersetzt er sich seiner eigenen Auslöschung und zwar selbst dann, wenn die Marktentwicklung das Geschäftsmodell nicht mehr zulässt. Totgesagte leben länger. Im Fall des Zweitmarkts waren es dann eher Zombies  als eine echte Rückkehr Lebender.

Konkret gesprochen: Geschäftsleute zweifelhafter Seriösität nahmen sich des Modells an und boten Verkaufswilligen wider der Vernunft Preise oberhalb der Rückkaufswerte an. Damit diese Überzahlungen funktionieren, war die Voraussetzung für dieses Angebot allerdings regelmäßig ein Re-Investment der Kaufsumme in eine angeblich bessere Geldanlage. Aus dieser Geldanlage heraus – in der Regel extrem risikoreiche Anlagen – sollten dann auch die Erträge erwirtschaften, die den Aufschlag auf den Verkaufspreis finanzieren. Dem Grunde nach ein unseriöses Geschäftsgebahren bei dem der Kunde zu einem höheren Risiko verleitet werden sollte, wobei verschleiert wurde, dass ihm unter dem Strich noch mehr Kosten verursacht wurden.

 

Ein neuer Markt entsteht: Rückabwicklung

 

Die Lebensversicherer bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm, wenn es um eine transparente Abrechnung, die Nachvollziehbarkeit von Zuschüssen oder die faire Beteiligung ihrer Kunden an stillen Reserven geht. Regelmäßig führt dies zu Niederlagen vor Gericht, wenn Kunden ausgewiesene Ablaufleistungen oder Rückkaufwerte in Zweifel ziehen.

Daraus haben nun findige Geschäftsleute ein Businessmodel gemacht. Kunden die ihre Lebensversicherung kündigen wollen (oder leicht dazu motiviert werden können) erhalten das Angebot diese rechtlich zu vertreten und höhere Leistung für den Rückkauf herauszuschlagen. Entweder soll der Kunde das Geld dann als Gegenleistung in eine andere Anlage investieren oder einen Teil seines Mehr-Erlöses an den Rückabwicklungsdienst zahlen.

 

Interessenkonflikt

 

blau direkt lehnt das Geschäftsmodell Rückabwicklung entschieden ab.

Unsere Partner sind Makler und Versicherer. Die einen vermitteln Lebensversicherungen, die anderen stellen diese bereit. Es läuft daher den Interessen beider Partner entgegen, wenn wir das Vertrauen in deren Dienstleistung in Frage stellen. Man kann keine faire Partnerschaft leben, wenn man ein Geschäftsmodell darauf aufbaut, die Interessen seiner Partner zu verletzen; potentiell sogar die Glaubwürdigkeit seiner Partner zu beschädigen.

Man muss kein Fan der Lebensversicherung sein. Man kann diese durchaus kritisch sehen. Doch wer die Lebensversicherung als Versicherungsmakler pauschal verurteilt – und damit ein Produkt das Jahrhunderte eines der Hauptprodukte unserer Branche war und immer noch ist – muss sich fragen, ob er im richtigen Beruf ist. Wer als Pilot jedem seiner Bekannten abrät sich ins Flugzeug zu setzen, mag dafür zahlreiche Gründe aufführen können, aber er gehört ganz sicher nicht in ein Cockpit.

Die Lebensversicherung gezielt zu diskreditieren, indem man pauschal erklärt aus jeder Lebensversicherung lasse sich mehr Geld herausholen, wenn man Rechtsmittel einsetzt, stellt nicht nur eine Kritik an dem betroffenen Versicherer dar. Sie verursacht Schäden für die Solidargemeinschaft und sie bedeutet indirekt auch eine Herabsetzung des Kollegen, der einst dass Produkt empfahl. Der Vorteil eines einzelnen Kunden (auf Kosten aller anderen Versicherungskunden generiert) rechtfertigt es unserer Meinung nach nicht das Bild des Versicherungsvermittlers und der Branche insgesamt zu beschädigen. Dies führt nur dazu, dass Kunden generell misstrauischer werden und insgesamt weniger für Ihre Vorsorge aufwenden. Damit entsteht einer Vielzahl von Kunden nachhaltiger Schaden.

Ein Versicherungsmakler hat zweifelsohne eine hohe Verantwortung für seinen Mandanten. Er hat aber auch eine Verantwortung gegenüber der Branche und gegenüber der Gesellschaft. Wer diese Verantwortung beiseite schiebt, handelt in Wahrheit nicht im Kundeninteresse. Ihm geht es schlicht darum, auf Kosten anderer Makler, auf Kosten der Solidargemeinscaft, auf Kosten des Versicherers und seiner Beschäftigten, auf Kosten des Ansehens unserer Branche und vor allem auch auf Kosten seines eigenen Kunden Provisionen zu verdienen. Würde der Rückabwicklungsvermittler im Kundeninteresse handeln, würde er nämlich nicht versuchen die Rückabwicklung der Lebensversicherung attraktiver zu gestalten, sondern seinen Kunden überzeugen, dass der einmal begonnene Lebensversicherungsvertrag fortgesetzt werden sollte. Nur dann hat der Kunde eine Chance die bereits entstandenen Kosten wieder hereinzuholen und die beim Abschluss in Aussicht gestellte Rendite zu erlangen.

 

Credo von blau direkt

 

Wir arbeiten mit unseren Maklerpartnern daran, dem Kunden nur dort Lebensversicherungsprodukte zu verkaufen, wo der Kunde einen eindeutigen Nutzen hat und der Vertragsschluß die bestmögliche Option des Kunden ist.

Wir treten entschieden dafür ein, bereits in der Beratung auf den Verkauf von Lebensversicherungen zu verzichten, wenn diese nicht richtig für den Kunden sind. Massgeblich ist dabei aus unserer Sicht jedoch nicht die Rendite. Wir sind keine Bank. Wir reduzieren die Bedürfnisse des Kunden nicht auf mathematische Zinsformeln. Für uns ist die Gesamtbetrachtung der Wünsche und Bedürfnisse des Kunden und seiner Lebenssituation maßgeblich.

Wir arbeiten mit unseren Versicherungspartner daran die Qualität der Lebensversicherung zu verbessern und sukszessive vorhandene Schwächen zu beseitigen. Wir wollen unseren Kunden sichere Altersvorsorgeprodukte anbieten, die die Bedürfnisse des Kunden erfüllen und dem Kunden faire und wenn es möglich ist attraktive Konditionen bieten.

Wir kommunizieren  mit unseren Versicherungspartnern, kritisch, konstruktiv, sachlich und Face to Face. Dies gilt auch für eine faire Behandlung bei den Rückkaufswerten, falls die Lebenssituation des Kunden es unabwendbar erfordert eine bestehende Versicherung aufzugeben. Wir schicken jedoch keine Anwälte vor. Wir stiften Kunden nicht zu Streitigkeiten mit unseren Versicherungspartnern an. Geschäfte die darauf basieren unsere Partner vor dem Kunden bloßzustellen oder die Glaubwürdigkeit der Branche mit Füßen zu treten lehnen wir daher ab.

Wenn die Rückabwicklung einer Lebensversicherung nicht auf einem Irrtum basiert, ist sie immer die Folge einer tragischen Lebenssituation des Kunden. Daraus machen wir kein Geschäft.

 

 

 

Geschäftsführer & Mitgründer von blau direkt. Buchautor des Bestsellers „Wie man perfekt Frauen aufreißt…“, welches sich speziell dem Internetmarketing für mittelständische Unternehmer widmet.

21 Kommentare

Avatar von Jonas
Jonas am 16.12.2016 um 9:24 Uhr

Sign!

Sicherlich gibt es Ausnahmefälle, dennoch bin ich da absolut der gleichen Meinung. Man sollte doch bei allem Wettbewerb nicht beginnen seinen eigenen Berufsstand zu diskreditieren. Leider gibt es auch noch andere Bereiche wo dies regelmässig zu beobachten ist.
Natürlich soll und muss es um die Interessen des Kunden gehen doch in den mir bekannten Fällen hätte es stets andere Optionen gegeben die mit weniger Verlust für den Kunden verbunden gewesen wären.

Avatar von Mario Strehl
Mario Strehl am 16.12.2016 um 10:34 Uhr

98% Zustimmung. Auch ich lehne die gewerblichen Unterstützungsmodelle von Rückabwicklung- und LV-Aufkauf mit Alternativ-Investment ab.

Einzig zwei Dinge sehe ich kritisch:

1. Die Fortführung eines Produkts, welches einmal etwas versprochen hatte, was es nicht mehr einhält und auch in Zukunft nicht einhalten wird, ist nicht zielführend, gleichgültig, welche Kosten bezahlt wurden.

2. Es gab und gibt leider in unserer eigenen Branche nicht nur weiße Schafe, die nach bestem Wissen und Gewissen Kunden von Lebensversicherungen abrieten, wenn diese nicht passten oder solche Produkte empfahlen, wenn es angebracht schien. Sondern es gab und gibt halt auch die Marktteilnehmer, die einfach etwas verkaufen, um selbst zu verdienen, ob es passt oder nicht – egal. Diesen „Kollegen“ haue ich gerne ´mal eins auf die Mütze.

Avatar von Oliver Pradetto
Oliver Pradetto am 16.12.2016 um 10:37 Uhr

Daumen hoch, Mario. 🙂

Avatar von Sebastian Sprenger
Sebastian Sprenger am 16.12.2016 um 13:15 Uhr

Die Frage ist viel einfacher:
Möchte ich am Ende der Produktlaufzeit einen zufriedenen Kunden haben?!
Das können aktuell viele Gesellschaften/Produkte nicht mit JA beantworten…

Wenn man(n) noch ein paar Jahre arbeiten muss/will – hat das Prio.

Nur pauschal auf ein Produkt zu schießen, halte ich auch für falsch.
Doch wenn o.g. Lösung legal ist, dann ist sie auch praktizierbar.

Es muss halt immer für den Kunden passen…
Da gebe ich Mario zu Punkt 2 recht.

Viele Grüße, Sebastian

Avatar von Oliver Pradetto
Oliver Pradetto am 16.12.2016 um 15:57 Uhr

Es muss für den Kunden passen, es muss aber auch zu Deinem Beruf passen.

Makler seien -laut BGH- Sachwalter Ihrer Mandanten. Viele Makler sehen dies als Auszeichnung. Wir sind stolz auf Seiten des Kunden zu stehen. Wir sind stolz uns mit Steuerberatern oder Ärzten vergleichen zu dürfen.

Ein Sachwalter darf sich aber nicht korrumpieren lassen. Ich kann als Arzt vor einem bestimmten Medikament warnen, wenn ich das für richtig halte. Ich darf mich für die Warnung aber nicht von einem konkurrierenden Pharmaproduzenten bezahlen lassen.
Warum eigentlich nicht? Hätte er die Warnung nicht auch ohne Auslobung einer Provision ausgesprochen? Es darf uns nicht überraschen, das ein jeder überführte Arzt eben dies behaupten wird.
Ich weiß es nicht. Hätte er?
Wenn er ohnehin gewarnt hätte, warum hat man ihm dann überhaupt eine Provision dafür angeboten? Warum gibt es Leute, die Dich als Makler anrufen und Dir diesen neuen Weg zeigen und Dir für die Vermittlung Geld anbieten? Hättest diesen „Kundenservice“ nicht etwa auch umsonst genutzt?

Dass man im Einzelfall mal zu dem Ergebnis kommt, dass ein Kunde mit der Fortführung seiner Lebensversicherung schlecht beraten wäre. Ja. Leider ist das so.
Das es Gesellschaften gibt, bei denen man dem Kunden empfiehlt noch einmal bezüglich seines Rückkaufswertes nachzuhaken. Legitim.
Provisionen für diesen Rat kassieren? Nein.

Gefiele es Dir denn, wenn Pools ähnliche Konstrukte zu Lasten von Maklern aufbauten? Dreh die Sache doch mal um und mach Dich zum Betroffenen!

Hier ein Beispiel: blau direkt dient seinen Maklerpartnern als Pool. Ich kenne viele Kundenvorgänge. Davon sehe ich viele, wo ich Bauchgrummeln mit den durch unsere Makler gegebenen Empfehlungen an den Kunden habe. Manchmal nehmen wir Anträge deshalb nicht an. Doch oft zeigt sich grobe Falchberatung erst später. Kann das soweit gehen, dass ich einem Endkunden rate, die Beratungsleistung des Vermittlers einmal anwaltlich prüfen zu lassen?
Hui. Schon das wäre ein grober Vertrauensbruch meinem Maklerpartner gegenüber. Glücklicherweise konnten wir das bislang immer vermeiden und den Schaden für den Kunden über eine Kulanzleistung des Versicherers abfangen. Es mag aber die Situation auftreten, wo mein Gewissen mich dazu zwingt eben solchen Rat zu geben.
Sollte das einmal so heftig sein, dass ich mich so gegen einen Partner stellen muss, werden es die meißten Kollegen sicherlich nachvollziehen können, denn dazu müsste es schon wirklich heftig sein. Es kann Beratungsfehler geben, die für den Kunden so schwer wiegen, dass die Kundeninteressen Vorrang haben müssen.
Nur jetzt stell Dir vor, ich hätte vorher einen Deal mit dem Anwalt gemacht, dass er mich an den Anwaltsgebühren beteiligt. Hätte ich dann noch Dein Vertrauen? Ginge so ein Verhalten für Dich in Ordnung? Wäre ich noch Dein Partner?

Ich glaube: Wer es für legitim hält Geld auf Kosten seiner Partner zu verdienen, zerstört seine Partnerschaften.

Avatar von Mr. Schockiert
Mr. Schockiert am 16.12.2016 um 14:43 Uhr

Die Rückabwicklung bietet vielen Menschen eine erhebliche Chance. Weshalb sollte man Mandanten nicht darauf aufmerksam machen, außer um die Interessen der Versicherungsunternehmen zu schützen?
Für mich als Interessenvertreter ist der Sachverhalt eindeutig. Ich sehe mich in der Pflicht, den Mandanten zu helfen. Wir selbst, haben uns bereits vor einiger Zeit auf dieses Thema spezialisiert.

Seid her konnten wir diverse Menschen glücklich machen. Uns gelang es in den letzten paar Jahren, mehr als 10 Mio. Euro zurückzufordern! Beziehungsweise unseren Anwälten. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, weshalb Sie ständig andersdenkende Berater angreifen und diskreditieren.
Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar, weshalb Sie ständig diese „Fähnchenstellung“ einnehmen. Noch vor kurzem haben SIE SELBST mit einem Ihrer Partner dafür geworben und die notwendigen Mittel angeboten, um bestehende Darlehnsverträge Rückabzuwickeln. Heißt dass, es ist für Sie in Ordnung, Banken anzugreifen, Versicherungsnehmen jedoch nicht? Woher kommt diese Doppelmoral?
Versicherungsunternehmen haben in der Vergangenheit selbst genug dafür getan, das Kunden aber auch Vermittler das Vertrauen in die Konzerne verloren haben. Jedes Thema wurde auf dem Rücken anderer ausgetragen. Ständig waren Kunden und Vermittler die leidtragenden Personen. Deshalb bringen mich verschiedene Ihrer Sätze zum Schmunzeln….

PS: Vielleicht weiß „Ihr Pilot“, dass seine Fluggesellschaft ihren Maschinen-Wartungspflichten nicht nachkommt und stellt sich mit seiner Aussage schützend vor seine Mitmenschen?

Freundliche Grüße
Mr. Schockiert

Avatar von Oliver Pradetto
Oliver Pradetto am 16.12.2016 um 15:18 Uhr

Es ist keine Doppelmoral als Pilot von Schiffen abzuraten. Inkonsequent ist es selbst jeden Tag Gehalt von einer Fluggesellschaft zu beziehen, diese dann aber zu verleumden und zu schädigen. Wenn er selbst in die Maschine steigt, wie aufrichtig kann seine Warnung dann wohl sein?
Versicherungsunternehmen zu schützen steht auch nicht im Widerspruch zur Maklertätigkeit. Es gehört zu den wesentlichen Pflichten eines Maklers.

Ärzte, Juristen und Steuerberater haben ihr besseres Image nicht, weil es in ihrem Berufsfeld keine schwarzen Schafe gäbe. Sie haben das bessere Image, weil sie es nicht gegenseitig mutwillig beschädigen. Diese Berufe verlieren Ihre Zulassung, wenn sie mutwillig das Vertrauen von Mandanten oder Patienten in den eigenen Berufsstand schädigen, nicht weil schlechte Kollegen um jeden preis zu schützen wären, sondern weil die negativen Folgen eines kollektiven Vertrauensverlustes schwerer wiegen. Für diese permanenten Ansehens- & Vertrauenslust zahlen Makler bereits heute täglich ihren Preis und demnächst über neue Gesetze vermutlich noch mehr.

Sehen Sie: Es spricht nichts dagegen einem Kunden zu empfehlen den Rückkaufswert einmal kritisch prüfen zu lassen oder gar bei einem spezialisierten Anwalt Unterstützung zu suchen. Das kann man tun. Manchmal muss man es vielleicht sogar tun.Ein aufrichtiger Sachwalter wird dies ohne zu zögern tun. Er wird aber nchts daran verdienen wollen. Nur Kundenschutz ist es nicht, worum es Ihnen geht. Sie haben sich „spezialisiert“. Sie haben einen Business-Case aus dem Kaputtmachen von Vorkehrungen für die Altersvorsorge gemacht. Provision ist es, was Sie antreibt.

Robin Hood war kein Held, weil er bösen Ausbeutern das Geld stahl. Er war ein Held, weil er es den Armen gab. Hätte Robin Hood Provisionen für Gabe an die Armen kassiert und den Rest der Gabe noch angelegt um gleich nochmal Provision zu kassieren, so betrachtete man ihn heute wohl lediglich als gemeinen Dieb.

Diebe trugen früher Masken. Nutzen sie heute Pseudonyme?

Avatar von Sebastian Schulz
Sebastian Schulz am 16.12.2016 um 15:25 Uhr

Soweit ich weiß ist Kritik bei blau direkt immer erwünscht, weshalb ich diese hier doch einmal ausüben möchte. Meiner persönlichen Meinung nach, ist die Sichtweise dieses Blogbeitrags äußerst subjektiv und recht einseitig. Evtl. liegt hier ja auch ein kleiner Interessenskonflikt vor?

Vorweg ein kleiner Exkurs zum Thema Lebensversicherung:
Mit der Thematik Lebensversicherung – speziell damit, wie gut diese als Kapitalanlage geeignet sind, beschäftige ich mich jetzt schon lange sehr intensiv. Meine Erkenntnis ist – die Lebensversicherung ist als Kapitalanlage nicht geeignet! Es gibt fast immer bessere Alternativen und nur in absoluten Ausnahmefällen ist diese diesbezüglich zu empfehlen. Eine Versicherung ist dazu sinnvoll versicherungstechnische Risiken abzusichern. Der Aufbau von Vermögen – das Sparen – zählt hier nicht zu. Jetzt wird es sicherlich einige geben, welche mit Einwenden wie dem „Langlebigkeitsrisiko“ oder dem „Verlustrisiko“ bei anderen Kapitalanlagen kommen. Auch unter Berücksichtigung dieser Punkte, bleibe ich bei meiner Aussage. Wenn es gewünscht ist, kann ich auch gerne die Argumentation hierzu anführen, warum dies so ist, aber an dieser Stelle werde ich es zunächst nicht tun, da das Thema hier ja die Rückabwicklung ist.

Zum Thema Rückabwicklung:

Zitat: „Geschäftsleute zweifelhafter Seriösität nahmen sich des Modells an und boten Verkaufswilligen wider der Vernunft Preise oberhalb der Rückkaufswerte an…“

Sicherlich mag es diese Art Geschäftsleute geben und man findet sie gar zuhauf im Internet, jedoch hat das an sich erst einmal sehr wenig mit der Thematik an sich zu tun. Fast in jedem Bereich gibt es diese Art Geschäftsleute, dies lässt sich wohl leider nicht vermeiden. Deshalb ist es eigentlich umso wichtiger, dass sich eben auch vernünftige seriöse Geschäftsleute, wie bspw. Versicherungsmakler mit dem Thema beschäftigen und Ihren Mandanten diese Dienstleistung ebenfalls anbieten, bevor diese unseriösen Anbietern zum Opfer fallen.

Denn Fakt ist! – Die Dienstleistung als solches ist weder unseriös, noch in irgendeiner Weise nachteilig für den Kunden. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist ständige höchstrichterliche Rechtsprechung (EuGH, BGH, BVerfG), dass eine Rückabwicklung rechtens ist. Aktuell gibt es ca. 400 BGH-Urteile zu diesem Thema und es werden ständig mehr. Unseriös verhalten sich hier allerdings die Versicherer, welche trotz der eindeutigen Rechtsprechung der Meinung sind, diese einfach zu ignorieren und einfach jeden (Ausnahmen bestätigen die Regel) Widerspruch ablehnen, obwohl dieser berechtigt ist. Dieses Geschäftsgebaren ebnet überhaupt erst den Weg für unseriöse Anbieter, da der Kunde ohne Hilfe von Anwälten und Co. nicht in der Lage ist seinen rechtmäßigen Anspruch durchzusetzen.

Nachteilig für den Kunden, höhere Kosten, noch mehr Verlust?
Wie das? Allerhöchstens, wenn der Kunde einen unseriösen Anbieter zum Opfer fällt, da sich ja viele Versicherungsmakler bis heute nicht mit dem Thema auseinandersetzen. Eine Rückabwicklung läuft nach dem Bereicherungsrecht ab. Dies bedeutet jede Partei hat die bezogenen Leistungen und den gezogenen Nutzen aus dem Vertrag an die andere Vertragspartei zurückzugeben. Im Falle einer Lebensversicherung bedeutet dies: Der Kunde erhält alle gezahlten Beiträge, einschließlich der bezahlten (hohen) Kosten zzgl. eines Nutzungsersatzes zurück! Einzig Kosten für genossenen faktischen Versicherungsschutz, welche nach BGH mit max. 4% anzusetzen sind, darf der Versicherer einbehalten.

Ein Beispiel aus der Praxis: Kapital-LV, Beginn 01.02.2001, Beitrag 50 € mtl., 5% Dynamik, gekündigt zum 01.03.2015, Rückkaufswert 11.211 €, Summe geleistete Beiträge 11.958 € – Echt ein tolles Geschäft für den Kunden. 14 Jahre Geld angelegt und ein Verlust von 747 € und das ohne Berücksichtigung von Inflation. Rückabwicklung: Der Kunde erhält zusätzlich 4.325 € von der Gesellschaft. Und es gibt noch viel krassere Fälle! Wo ist jetzt der Nachteil für unseren Mandanten? Die entstehenden Kosten von, in diesem Fall insgesamt 1081 €, welche er noch steuerlich geltend machen kann? Vielleicht sollte man an dieser Stelle noch erwähnen, dass unser Mandant selbstverständlich nicht gezwungen wird das Geld in eine andere Anlageform zu investieren. Oder aber, dass es sich hierbei um ein erfolgsabhängiges Honorar handelt und dem Mandanten somit überhaupt keine Kosten entstanden wären, wäre die Rückabwicklung nicht erfolgreich. Vielleicht aber auch, dass er hierfür ein versicherungsmathematisches Gutachten über seinen Vertrag erhält, was bei einem Aktuar ca. 800 € kosten würde und das unabhängig vom Erfolg. Ganz zu schweigen von dem zeitlichen Aufwand, welcher uns und unserem Geschäftspartner hier entsteht.

Ich sehe hier durchaus eine Win Win Situation – Nur halt nicht für den Versicherer. Als Makler bin ich im Auftrag meines Mandanten tätig und kann das somit mit meinem Gewissen vereinbaren. Gerade im Hinblick auf meinen ersten Absatz zum Thema LV als Kapitalanlage. Im Übrigen biete ich meinen Mandanten auch keine Lebensversicherung an, eben aus den dort angeführten Gründen. Somit sehe ich dort auch nicht, dass ich meinem Geschäftspartner in den Rücken falle.

Abschließend vielleicht noch der Hinweis, dass bspw. auch der BVSV e.V. und VSV e.V. eine Prüfung der Verträge und ggf. eine Rückabwicklung dieser empfiehlt.

Fazit:

Ist eine Rückabwicklung Nachteilig für den Mandanten? Nein!
Ist sie unseriös? Nicht wenn man mit seriösen Anbietern arbeitet!

Falls jemand weitere Informationen zu diesem Thema haben möchte, so darf man gerne auf mich zukommen.

Viele Grüße

Sebastian Schulz
(www.falcon-finanz.de)

Avatar von Oliver Pradetto
Oliver Pradetto am 16.12.2016 um 16:21 Uhr

„Evtl. liegt hier ja auch ein kleiner Interessenskonflikt vor?“

Nö. Es liegt ein großer Interessenkonflikt vor. 😉

Avatar von Mario Strehl
Mario Strehl am 16.12.2016 um 16:09 Uhr

Nur weil es Bilder sind, müssen diese nicht zwingend passen und machen es schon gleich gar nicht besser.

Vielleicht lohnt es sich in der Diskussion keine fremden Berufe oder Fälle zu verwenden, sondern einfach nur bei der eigenen Thematik zu bleiben?

Grundsätzlich halte ich es für legitim, die eigene Leistung entlohnen zu lassen. Wenn die eigene Leistung bereits zuvor entlohnt wurde (also z.B. Abschluss einer LV) und (nach Ablauf der Stornohaftung) unterstützt wird, vom Versicherer mehr Geld bei Kündigung zu erhalten und dies ebenfalls vergüten zu lassen – das halte ich auch für Doppelmoral.

Avatar von Mr. Schockiert
Mr. Schockiert am 16.12.2016 um 16:12 Uhr

Ob Sie mir es glauben oder nicht, wir nehmen keinen einzigen Cent von unseren Mandanten für die Rückabwicklung. Die Prüfung ist völlig kostenlos. Als alleinige Bedingung stellen wir, dass eine Rechtsschutzversicherung vorhanden ist. Unsere Anwälte arbeiten nämlich nicht umsonst.
Wir selbst, sind SACH-MAKLER und können aufgrund unserer Bestandgröße einen besonderen Service anbieten….
Ein Gehalt beziehen wir von keinem Versicherungsunternehmen. Dies würde nämlich ein Arbeitnehmerverhältnis voraussetzen. Vielmehr trifft es zu, dass wir Partnerschaften nach §93 pflegen und für unsere Vermittlungstätigkeiten laufende Courtage bekommen.

Natürlich ist es auch unsere Aufgabe Versicherungsunternehmen zu schützen. Dies tun wir auch in unserer alltäglichen Arbeit. Beispielsweise damit, dass wir „ schlechte Kunden „ im Vorfeld aussortieren. Diese Gutmutigkeit darf jedoch nicht in einem Interessenkonflikt enden. Immerhin haben Versicherungsmakler aufgrund ihrer besonderen Stellung, pflichten. Diese pflichten verlangen, dass wir als Sachverwalter die Interessen unserer Mandanten wahrnehmen und schützen. Würde ich Ihrer Aussage folgen und meinen Mandanten die Rückabwicklungsmöglichkeit durch verschweigen vorendhalten, dann würde ich die Interessen der Versicherungsunternehmen vor die Interessen meiner Mandanten stellen. Nach meinem persönlichen Rechtsempfingen würde dieses Verhalten einen Verstoß gegen mein Berufsbild darstellen. Deshalb kann ich Ihrer Aufforderung nicht folgen.

PS: Was bringt Ihnen mein Name?

Freundliche Grüße
Mr. Schockiert

Avatar von Oliver Pradetto
Oliver Pradetto am 16.12.2016 um 16:17 Uhr

„Ob Sie mir es glauben oder nicht, wir nehmen keinen einzigen Cent von unseren Mandanten für die Rückabwicklung.“

Als Sachmakler haben Sie da auch keinen so großen Interessenkonflikt. Da sehe ich das dann relativ gelassen. 🙂

Avatar von Bernhard Fox
Bernhard Fox am 16.12.2016 um 16:27 Uhr

Um es mal einfach auszudrücken: Ich mache mich doch selbst lächerlich , wenn ich vorher solchen Produktverkauf getätigt habe und jetzt plötzlich bei einer Rückabwicklung behilflich wäre. Der Kunde ist jeute nicht mehr so unaufgeklärt, das er nicht checken würde, das man letztendlich selbst an dem Geschäft partizipieren möchte. Und mal ganz unter uns gesagt: Der Kunde wurde in unseren Verkaufsgesprächen regelmässig darauf hingewiesen, das Gewinnbeteiligungen nicht garantiert sind. Und weil jetzt dem lieben Kunden das Ergebnis aufgrund Niedrigzinsphase nicht gefällt, stellen wir uns in dessen Dienst und stellen unsere vorher seriöse Beratung in Frage ? Also ich jedenfalls nicht …

Avatar von Sebastian Schulz
Sebastian Schulz am 16.12.2016 um 16:33 Uhr

„Evtl. liegt hier ja auch ein kleiner Interessenskonflikt vor?“
„Nö. Es liegt ein großer Interessenkonflikt vor. ?“

Ja, genau so kam es mir das auch vor, als ich diesen Beitrag las. Nicht böse gemeint, aber letztlich bin ich kein großer Fan von einseitiger Berichterstattung. Dies wirft immer ein falsches Bild auf das Thema. Mit einseitiger Berichterstattung haben wir heutzutage schon genug zu kämpfen. Finde es deshalb etwas schade sie hier auch vorzufinden. Deine Kommentar zu dem Thema, dass es Makler gibt, welche auf der einen Seite Lebensversicherungen vermitteln und auf der anderen diese rückabwickeln, finde ich ja völligst berechtigt! Das ist eindeutig nicht richtig und zeugt von Doppelmoral. Aber das Thema an sich so zu verunglimpfen finde ich nicht so wirklich prickelnd. 😉

Avatar von Mr. Schockiert
Mr. Schockiert am 16.12.2016 um 16:45 Uhr

Erst einmal Danke dafür, dass Sie sich dieser Diskussion stellen.
Dieses Verhalten gefällt mir sehr!

Sie haben Ihren Beitrag stellenweise unglücklich formuliert. Es wäre schön gewesen, wenn Sie auf die RISIKEN die sich für Ver.Makler bei einer Rückabwicklung ergeben oder aber auf das Verlustrisiko das sich für die Kunden ab einem gewissen Vertragszeitpunkt ergibt, eingegangen wären.

Denn, es ist nicht alles Gold was glänzt.
Auch die Rückabwicklung hat verschiedene Schwachpunkte….
Diese MÜSSEN Ver.Makler kennen!

Vielleicht im nächsten Beitrag ? 😉

Avatar von Sebastian Schulz
Sebastian Schulz am 16.12.2016 um 16:53 Uhr

@Bernhard Fox
Also auch das sehe ich etwas anders. Hierbei kommt es sicherlich auf deine Beweggründe an. Falls du damals von dem Produkt überzeugt warst, aus welchen Gründen das auch immer so gewesen sein mag, so hast du ja seinerzeit nach besten Wissen und Gewissen gehandelt.

Stellst du nun aber fest, dass das Produkt scheinbar doch nichts taugt und dein Mandant hierdurch Schaden erleidet, so finde ich bist du verpflichtet ihm dieses auch mitzuteilen! Das ist deine Aufgabe als Makler und auch moralisch und menschlich betrachtet wäre es richtig. Man sollte auch zu Fehlern stehen können. Auch war die jetzige Marktsituation damals noch nicht absehbar. Ein Anlagerisiko gibt es ja bei jeder Form der Anlage.

Auch ich habe Kunden im Bestand, welche ein Lebensversicherungsprodukt abgeschlossen haben, welches „selbst vermittelt“ wurde. Dies geschah zwar nicht durch mich, aber durch meinen Geschäftspartner mit dem ich nun seit knapp 2 Jahren zusammenarbeite. Nachdem ich seinerzeit meinen Geschäftspartner ein wenig „aufgeklärt“ habe, haben wir gerade diese Kunden zuerst auf das Thema angesprochen! Ergebnis: Alle waren hierüber sehr erfreut und niemand hat dies negativ aufgenommen. Ich glaube der andere Fall wäre weitaus schlimmer. Stell dir vor, dein Kunde erfährt aus anderer Quelle, von einem anderen Makler davon, dass er durchgehend Verluste macht und es eine Option gäbe dies abzuwenden und dann evtl. gar noch erfährt, dass dir dies bewusst war, du ihn aber nicht darauf angesprochen hast, weil du den Vertrag ja schließlich selbst vermittelt hast. Was meinst du wie lange dein Mandant noch dein Kunde ist? Betrachte es doch selbst einmal aus Kundensicht. 😉

Avatar von Oliver Pradetto
Oliver Pradetto am 16.12.2016 um 17:51 Uhr

So langsam nähern wir uns hier dann wieder des Pudels Kern und der Überzeugung, dass Kunden mit der Lebensversicherung per se und grundsätzlich schlecht gestellt seien. Einer echten fachlichen Betrachtung hält diese These nicht Stand.
Ich kenne eine Unmenge an Fällen, wo allerlei „viel bessere“ Anlagen, mit „Top-Renditen“ und „absolut sicher“ die Kunden all ihr Geld verloren haben.

In mehr als 300 Jahren Lebensversicherungsgeschäft hat aber kein Kunde Geld durch die Lebensversicherung verloren (wenn er denn durchgehalten hat).

Die Gegner der Lebensversicherung stellen schlechtere Ergebnisse durch höhere Kosten und niedrigere Renditen als Verluste dar. Das sind aber keine Verluste. Es sind nur schlechte Renditen.
Und die Lösung: Das Geld wird dann in volatile risikoreichere Anlagen gesteckt, wo der Kunde dann tatsächlich Geld verliert – oft alles. Das halte ich für fragwürdig.

Man muss sich nur mal die Empfehlungen der Lebensversicherungskritisierer aus der Vergangenheit ansehen:
S&K? Infinus? Deutsche Kapitalmanagement GmbH? Dubai aber: Todsicher! Etwas seriöser vielleicht: Prokon?
Na ja gut, aber die britische Lebensversicheurng, die ist ja immer viel besser, hieß es. Wo sind diese Relligionskrieger heute? Heute will das keiner jemals empfohlen haben. Telekom-Aktien – weil Aktien sind ja immer besser. Wieviele Deutsche haben durch die Aktien der Telekom gewonnen? (Antwort alle! Da hat unser Staat ja richtig Kasse gemacht. 😉 )-
Aber nee, Deutsche Bank. Das ist was. Keine Kosten, trotzdem voll den Kapitalanlagemarkt mitnehmen: DWS FlexPension. Super. 16 Jahre lang hat man Kunden über`s Ohr gehauen und sich über die lieben Maklerkollegen lustig gemacht. Die sind ja unseriös noch die Lebensversicherung zu empfehlen.
Die Deutsche Bank hat Ihr Konzept reumütig kassiert.

Die Lebensversicherung ist immer noch da.
Na ja und die nächstbeste angeblich viel bessere Alternaative? Die ist natürlich auch noch da. Nur jetzt wieder was ganz anderes. Aber diesmal ist es wirklich grossartig. Wirklich! Echt jetzt. Das früher das waren andere schlimme Jungs. Aber das hier nicht.

Es ist doch so ziemlich alles bislang in die Hose gegangen, was da als angeblich besser verkauft wurde.
Egal wie innig, wie angeblich bewiesen, zertifiziert, überzeugt Alternativen propagiert wurden: Du findest niemanden – wirklich niemanden (!) mehr – der das gleiche vor 20 Jahren verkauft hat, denn das was noch vor 10 Jahren als viel besser angepriesen wurde ist alles, alles, alles inzwischen schon wieder abgelöst. Aber jetzt soll es das Neue richten. Sowas wie das jetzt, das hat es da ja nicht gegeben. Wetten: In 5 Jahren ist der Kollege schon wieder weg. Er wird nichts mehr davon wissen wollen.

Ich kenne Makler, die seit 30 Jahren Lebensversicherungen verkaufen. Ich kenne keinen(!) der das gleiche über andere Anlagen zur Altersvorsorge behaupten könnte.
Natürlich mögen bestimmte Aktienfonds (und was ist mit denen die geschlossen wurden? – ca 90% aller aufegelgten Fonds) langfristig besser laufen.
Mehr als 60% aller Lebensversicherungen erleben ihren Schlusszeitpunkt. Wie ist die Quote beim Aktiensparen? Kennt überhaupt irgendwer einen Kunden der nach 20 Jahren immer noch konsequent seinen Aktienfonds bespart ohne zwischendruch rangegangen zu sein?

Zugegeben. Meine Argumentation ist billig und polemisch. Was die lieben LV-Kritiker können, kann ich schon lange. 😀
Seien wir ehrlich:Ihr macht es Euch ja auch leicht die Lebensversicherung kaputt zu argumentieren. Die Lebensversicherer machen vieles verkehrt und eine Menge Menschen sind damit beschäftigt mit großer Expertise sämtliche Fehler dieses größten Anlageprodukts zur Altersvorsorge aufzudecken. Gut so.
Ich wünschte mir nur, bevor eine Alternative empfohlen würde, würden die Kollegen die Alternativen ebenso kritisch durchleuchten.

Würden die Kritiker nur halb so viel Energie darauf setzen, die eigene Anlage kritisch zu betrachten, wie sie darauf verwenden die LV kaputtzureden (und noch nach Wegen zu suchen, um doppelt zu kassieren) es gäbe vermutlich keine milliardenschwere Anlageskandale – Jahr für Jahr.

Stattdessen wird geschaut: Höhere Prov. Kein Stornorisiko. Juhuu und jetzt noch Geld kassieren für das Kaputt machen. Natürlich. Deswegen hat man das ja nicht gemacht. Man würde das auch selbstlos tun. Es geht nicht um die Vorteile für den Vermittler. Nie!
=> Wer es glaubt.

Einseitig betrachtet?
Ja.
Ich bin Versicherungsmakler. Ich bin voreingenommen und zwar mächtig.
Ich habe ein Altersvorsorgeprodukt das seit 300 Jahren funktioniert und sicherstellt, dass der Kunde sein Erspartes bekommt; seine Rente sicher ist.
Ich finde das gut und ja: Ich schütze dieses Produkt – aus Überzeugung.
Ich bin Versicherungsmakler – ein Beruf auf den ich stolz sein kann.

Avatar von Markus Barth
Markus Barth am 17.12.2016 um 11:54 Uhr

Hallo Oliver,

des Pudels Kern, wie Du das nanntest ist aus meiner Sicht zunächst die Situation, in der ich/ wir als Makler hier gebracht wurden.

Wir haben Partner (die Versicherer) und wir haben Auftraggeber (unseres Kunden).
Ich muss (!) als Makler meine Kunden über die Möglichkeit des Widerrufes informieren. Tue ich dies nicht, verstoße ich gegen meine Maklerpflicht. Das ist meine Überzeugung. Wer den Punkt anderes sieht, hat selbstverständlich sofort eine andere Situation.
Auf der anderen Seite schädige ich mit der Rückabwicklung den Produktgeber. Auch das ist Tasache und ist nicht in Ordnung.

Blöde Situation, aber sie ist nunmal so vorhanden.
Und letztlich steht meine Verpflichtung dem Kunde gegenüber über der Verpflichtung zum Produktgeber. Von daher ist die Frage, ob ich mich dem Thema annehmen soll eindeutig mit Ja beantwortet.

Eine andere Frage ist, wie ich das betreibe.
Jedenfalls halte ich nichts von dem Vorgehen einiger Kollegen, die Lebensversicherung generell schlecht zu machen und konsequent jeden Vertrag in den Widerruf zu bringen. Sozusagen ohne Rücksicht auf Verluste, Hauptsache der Umsatz stimmt. Und bei Absprachen wie: „Wir machen das für Sie aber nur wenn Sie hinterher mindestens die Hälfte bei uns anlegen“ bekomme ich Fußpilz.

Meine Meinung zur LV habe ich früher schon den Kunden klargemacht und daran hat sich durch die Möglichkeit zum Widerruf auch nichts geändert. Wer sie will bekommt sie – nachdem er etwas über Kosten, Garantiezins und Verzinsung von Staatsanleihen gehört hat.

„Persönlich halte ich es für völligen Schwachsinn, heute Urteile zu fällen, die einen Abschluss vor 22 Jahren unwirksam machen können. Wer damals etwas abgeschlossen hat, hatte ein Ziel. Und ob er nun „ordentlich“ über das Widerrufsrecht aufgeklärt wurde oder nicht, hat nichts mit der damaligen Entscheidung zu tun. Aber, die Urteile sind da und das muss der Kunde erfahren.“ Genau das sage ich den Kunden.
Ob die Beratung in Ordnung – das wäre eine andere Sache.

Denn an der Stelle bin ich voll bei Dir Oliver
„In mehr als 300 Jahren Lebensversicherungsgeschäft hat aber kein Kunde Geld durch die Lebensversicherung verloren (wenn er denn durchgehalten hat).“
Daher halte ich nichts davon, laufende Verträge ins Visier zu nehmen.
Jeder Kunde kann eine kostenlose Ersteinschätzung bekommen. Da helfe ich gerne.
Wenn der Kunde nach der Gesamtbetrachtung für sich einen Vorteil sieht kann er den Widerruf beauftragen.
Bei laufenden Verträgen habe ich aber Bauchschmerzen. Ich kann sicherlich nicht beurteilen, was der Kunde bei Fortführung des Vertrages nach weiteren 10 oder 20 Jahren bekommt. Allgemein rate ich davon ab. Aber die Entscheidung liegt beim Kunden und hängt besonders auch von seiner Situation ab.

Denn bevor man widerruft, muss man die Frage stellen, welche alternative Verwendung der Kunde für das ausgezahlte Geld hat.
Selbst ein beitragsfreier Vertrag, bei dem der Rückkaufswert heute unter der Summe der gezahlten Beiträge liegt, kommt irgendwann zur Auszahlung; mit garantierter Verzinsung (setzen wir das mal als gesichert voraus) und das dann ggf. auch noch steuerfrei.
Welche Alternative ohne erneute Kosten und mit gleichem garantierten Nettoergebnis kann man da anbieten?
Na…..
…….
Plötzlich ist die LV gar nicht mehr soooo schlecht.

Mit spekulativen Anlagen um die Ecke zu kommen, nachdem ich ganz oben von meiner Verantwortung als Makler gesprochen habe – das passt nicht.
Eine neue LV abschließen – da müssen wir nicht drüber sprechen.
Häufig werden die Gelder für Sondertilgungen oder Ablöse von Darlehen mit hohen Zinsen verwendet.
Hoch nach heutigen Maßstäben 😉

Schuldenfrei zu sein oder eine saubere Schufa zu haben kann extreme Vorteile bringen.
Tasächlich haben sehr viele Leute Schulden und quälen sich jeden Monat, um alles zu bezahlen. Auf der anderen Seite haben Sie Rücklagen in Form von Verträge, die nicht das bringen, was der Kunde sich vorgestellt hat. (wurden vielleicht falsch beraten)
Macht das Sinn?
Macht es Sinn, einen Altersvorsorgevertrag zu kündigen, um heute vorhandene Schulden zu tilgen?
Aus Maklersicht muss ich nein sagen. (Ich darf ja gar nicht anders.)
Aber zunächst einmal lebt der Kunde heute. Ich sehe in der eigenen Familie wie sich Menschen ihr ganzes Leben abgestrampelt haben und als Rentner sagen: Ich hätte mal lieber leben sollen.
Deshalb muss der Kunde die Optionen kennen und dann entscheiden.
Das auch zur Frage er Moral.

Also wie gesagt
Ich bin der Auffassung, dass der Makler seine Kunden über die Möglichkeit des Widerrufs informieren muss.
Wenn der Kunde Interesse hat, kann der Makler das auch begleiten.
Und ja, er darf sich für seine Arbeit / Dienstleistung auch bezahlen lassen, genau wie jeder andere.
Er muss aber aufpassen, dass das Thema Widerruf (insbesondere mit Vergütung!) nicht seine eigentliche Verantworung gegenüber Kunde UND Produktgebern in den Hintergrund drängt.

Meine Erfahrung bisher ist:
Der Kunde kann durch einen Widerruf einen Vorteil erzielen. Er kann, muss aber nicht. Das muss man sich genau ansehen.
Der Mehrwehrt für MICH ist auch ohne Vergütung vorhanden.
Selbst wenn das Ergebnis ist, dass der Kunde den Widerruf nicht in Auftrag gibt und stattdessen einen Vertrag weiter bezahlt (sogar wieder aktiviert), den er vorher eigentlich kündigen wollte. Dann habe ich das Vertrauen gestärkt und bekomme meine „Vergütung“ in der Folgezeit durch neue Aufträge oder Empfehlungen. Und das ist keine Theorie, sondern Erfahrung.
Ich schätze mal, das wird Mr. Schockiert bestätigen können.

Also hast du schon wieder Recht Oliver: Auch ich bin nicht selbstlos – ich muss meine Familie ernähren.

So, normalerweise beteilige ich mich ja nicht an solchen Diskussionen weil ich dann immer zu ausführlich werde. Ich hoffe mal, das war noch erträglich 😉

Gruß
Markus

Avatar von Mr. Schockiert
Mr. Schockiert am 17.12.2016 um 15:16 Uhr

Die Lebensversicherung ist ein Hirntotes Wesen, welches durch Unmengen Geld und Falschaussagen am Leben und gehalten wird.

Wie ich Ihnen bereits schon vor ein paar Tagen geschrieben habe, lohnte sich die LV bisher ausschließlich für die Konzerne und Vertriebe. Für Kunden war die LV schon eh und je die schlechteste Variante für ´s Alter vorzusorgen. Insbesondere mit dem Wissen, dass 90% der Verträge die den Ablauf erreichen, ausbezahlt werden. Die Kunden lehnen eine Leibrente endscheiden ab!

Der einzige Grund weshalb sich diese Produkte so lange am Mark halten konnten, sind die Versicherungskonzerne und vermutlich geldgeile Vermittler. Die Konzerne pumpen seit Jahren hunderte Millionen Euro in Werbung und versuchen damit Kunden zu blenden indem sie versuchen die Produkte positiv wirken zu lassen. Nebendem werden täglich zig 1000de Vermittler aufgrund von Geschäftsplänen und Zielvorgaben mehr oder weniger dazu gezwungen LV-Geschäfts zu platzieren.

Zusätzlich profitieren die Konzerne von den mangelhaften Ausbildungen der Vermittler. Sofern diese überhaupt eine Ausbildung vorzeigen können. In meinen letzten 20 Berufsjahren und diversen Vorträgen und Schulungen die ich abhielt, konnten mir nur eine Hand voll Vermittler erklären wie eine Lebensversicherung WIRKLICH funktioniert. Den meisten Vermittlern ist nicht bekannt welche Bruttorendite eine LV generieren muss, damit Kunden nach Abzug der Kosten und Durchschnittsinflation eine Realrendite von nur 1. % Pünktchen einbuchen kann.
Ich kann es auch nicht mehr hören, dass unfähige Leute ständig behauten es gäbe keine risikoarme alternativ zur Lebensversicherung. Kürzlich hatte ich Ihnen gezeigt, mit welcher Leichtigkeit und Produkten JEDER die LV schlagen kann.

Wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf. Vielleicht sollten Sie weniger Ihre eigenen Interessen verfolgen und mehr auf die Wünsche Ihrer Kunden eingehen. Mittlerweile sollte doch jedem bekannt sein, dass laut Statistik 75% der abgeschlossenen LV-Verträge nicht bis Ende bedient werden. Diese Zahlt zeigt eindeutig das der Sparen diese Art des Sparens ABLEHNT. Weshalb wollen Sie weiterhin an den Wünschen Ihrer Kunden vorbei beraten? Fehlt es Ihnen vielleicht an lukrativen monetären alternativen? Könnte das der Grund sein weshalb Sie die Titanic noch nicht verlassen haben und weithin Karten verkaufen?

Freundliche Grüße
Mr. Schockiert !

Avatar von J. Aschwer
J. Aschwer am 22.05.2017 um 17:24 Uhr

Die Rückabwicklung (auch von schon ausgezahlten Lebensversicherungen) ist der einzige Weg wie Kunden zu Ihrem Geld und Ihrem Recht kommen. Es geht hier nicht darum einzelne Vermittler oder Makler anzuprangern sondern um Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber. Denn welcher Vermittler hat seinem Kunden damals wirklich gesagt welche Kosten die Lebensversicherung beinhaltet? Man nehme die BaFin Liste in der die Vertriebs- und Verwaltungskosten der Versicherer aufgeführt werden. Wer hat die Kunden denn über diese Kosten aufgeklärt? Welcher Kunde hätte denn Unterschrieben wenn man Ihm gesagt hätte „die ersten 3 -5 Jahre zahlst du die Abschluss kosten Ratierlich und dann behalten wir je nach Versicherer zwischen 20 und 45% Deiner monatlichen Zahlung als Kosten. Ach ja und vom Sparanteil gehen dann auch noch die Risikokosten ab. Somit sparst du lieber Kunde effektiv zwischen 50-75% der monatlichen Beiträge die du entrichtest. der Grund warum viele Kunden die LV unterschrieben haben ist doch weil es auch beim Opa und Vater funktioniert hat. Über die Kosten wurde nur lapidar oder überhaupt nicht aufgeklärt. Die Konzerne haben Jahre lang mit diesen Geldern enorme Renditen gefahren welche sich in der Eigenkapitalrendite wiederspiegelt. Es ist nur gerechtfertigt dass die eigentlichen Geldgeber, die Kunden nun daran partizipieren.

Wenn jemand nähere Infos zu einer seriösen Abwicklung für den Kunden wünscht kann er gerne Kontakt mit mir aufnehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Jan Aschwer

Avatar von Sascha von SH-Internetmarketing
Sascha von SH-Internetmarketing am 22.09.2017 um 16:01 Uhr

Gilt das für alle Verträge?

Kommentar verfassen